>
Mitte Oktober fängt das neue Semester an, und viele Abiturienten stehen vielleicht noch vor der Entscheidung, ein Studienfach zu wählen. Vielleicht überlegt der eine oder die andere, Chemie zu studieren, ohne genau zu wissen, was Sie erwartet. Die zwei entscheidenden Fragen, die man sich stellen sollte, sind (1) macht mir Chemie Spaß / liegt mir das Fach und (2) habe ich nach Abschluss des Studiums gute Berufsaussichten.
Die Frage, ob Ihnen ein Chemiestudium Spaß macht und Sie hierfür geeignet sind, ist aufgrund der vielen Gebiete und Möglichkeiten innerhalb der Chemie gar nicht so leicht zu beantworten. Zunächst einmal haben Sie in der Schule nur einen sehr eingeschränkten Einblick in die Chemie bekommen, aber zumindest sollten Sie erkannt haben, ob Sie prinzipiell Interesse an Naturwissenschaften und speziell an Chemie haben. Mit Analytischer Chemie, Anorganischer Chemie, Physikalischer Chemie, und Organischer Chemie als Grundfächer und Biochemie, Technischer Chemie und Theoretischer Chemie als Wahlfächer lernen Sie im Grundstudium einiges kennen. In den seltensten Fällen wird man alles gleich gut können, und vor allem macht auch jede Richtung individuell unterschiedlich viel Spaß (ohne es hier im Detail zu verraten, gab es zwei von diesen Richtungen, die mich im Studium größte Überwindung gekostet haben). Wichtig ist also, zumindest eine Richtung zu finden, die einem liegt, und sich dann auch darüber bewusst zu werden, dass man sich eventuell durch andere Bereiche des Studiums durchbeißen muss.
Ein neues Studienmodell trägt der Vielschichtigkeit der Chemie Rechnung (Abbildung rechts, zur Vergrößerung anklicken). Mussten Sie früher bis zum Diplom, also zehn Semester lang, alle Fachrichtungen mit gleicher Intensität studieren, ist jetzt an vielen Universitäten das Würzburger Modell, ein so genanntes 6+4 Modell eingeführt worden: Sie durchlaufen ein sechssemestriges Basis- bzw. Bachelorstudium Chemie in allen Fachrichtungen, das Sie zum Teil auch im Ausland unter vollständiger Anrechnung der Studienleistungen absolvieren können. Danach treten Sie in ein viersemestriges Vertiefungs- bzw. Masterstudium ein (an der gleichen oder an einer anderen Universität) in einer Fachrichtung Ihrer Neigung entsprechend. Der Schwerpunkt kann in einer der klassischen Bereiche der Chemie der sieben Grundrichtungen gelegt werden (siehe oben), oder in einen interdisziplinären Studiengang wie Medizinische Chemie an der Universität Regensburg - bestehend in der Hauptsache aus Organischer Chemie, Biochemie und Pharmazie - oder auch in einer ganz anderen Richtung wie etwa Betriebswirtschaft mit dem Ziel der Ausbildung zum Wirtschaftschemiker. Das Vertiefungs- bzw. Masterstudium schließen Sie nach dem zehnten Semester mit dem Diplom bzw. Master ab.
Artikel zum Thema:
Doktorarbeit - lohnt sich das? | (Chemie) studieren in Amerika | Chemieausbildung im 21. Jahrhundert |
Genius - kein Geniestreich