>
Oliver Reiser

www.Chemie-im-Alltag.de

 

DDT - Fluch oder Segen? [Teil 3]

Oliver Reiser

Neue Fälle von Pest in Indien ließen vor kurzem den Ruf nach dem Einsatz von DDT wieder laut werden. Gleichzeitig wird von Umweltorganisationen ein weltweites Produktionsverbot gefordert.

 

< < < ZURÜCK zum zweiten Teil

Impfstoffe für Mücken

Gibt es keine umweltverträglicheren Wirkstoffe, die mit den Erregern der Malaria und anderen Krankheiten fertig werden können? Eine verträglichere Alternative bedeutet die Entwicklung eines selektiveren Wirkstoffs, der also nur mit den Erregern, nicht aber mit anderen Organismen wechselwirken soll. Genau das ist aber bei der Malaria nur sehr schwer zu realisieren, da die Erreger sich von Generation zu Generation genetisch verändern - die Mutationsrate liegt bei bis zu fünf Prozent - und so selektive wirkende Stoffe sehr schnell uneffektiv werden. So bekämpft man statt dessen den Überträger, also die Mücken, um die Malaria in Schach zu halten.

Gegen alternative Substanzen, etwa die in hiesigen Insektiziden verwendeten Pyrethroide, bauen sich sehr schnell Resistenzen auf. So stieg etwa in Südafrika die Malariarate nach Anwendung anderer Insektizide anstelle von DDT um 1000 Prozent. Einem groß angelegten Einsatz alternativer Insektizide steht zudem auch deren hoher Preis entgegen. Das Auftreten von gegen DDT resistenten Mücken ist ebenfalls bekannt geworden, doch tritt dieses Problem durch den verantwortlichen Einsatz von DDT in den Hintergrund.

Weiterhin werden fantastische Konzepte gegen die durch Mücken übertragbaren Krankheiten diskutiert, bis hin zu "Impfstoffen für Mücken". Fände man einen Wirkstoff, der die Mücken genetisch verändern würde, sodass sie nicht mehr als Wirt für den Erreger dienen könnten, würde deren Verbreitung wirkungsvoll unterbunden werden.

Doch wie soll man die Mücken impfen? Vorausgesetzt, dass der Stoff ungefährlich ist, könnte man ihn durch Impfung in das Blut der Menschen bringen. Wenn die Mücke dann eine Blutmahlzeit zu sich nimmt - dabei nimmt sie immerhin das Dreifache ihres Körpergewichts an Blut auf - wäre der Wirkstoff effektiv übertragen. Wir Menschen müssen uns nur noch daran gewöhnen, uns von den Mücken stechen zu lassen.

Pro und Contra DDT - Nutzen und Risiken

Der in den 1950er Jahren praktizierte, großflächige Einsatz von DDT als Pflanzenschutzmittel ist ohne Zweifel aus ökologischen und toxikologischen Gründen abzulehnen. Auch langfristig wären Alternativen zu DDT im Kampf gegen die hier genannten Infektionskrankheiten fraglos wünschenswert. Jedoch ist der Nutzen von DDT als wirkungsvolle und gleichzeitig preiswerte Maßnahme zur Eindämmung von durch Insekten übertragende Krankheiten wie der Malaria oder der Pest unverkennbar.

Die hierfür benötigten Mengen sind vergleichsweise gering: Um alle Innenwände der Gebäude in Guyana (215.000 Quadratkilomater) zu behandeln, genügt die Menge, die früher in den USA für vier Quadratkilometer Baumwolle aufgewendet wurden. Neben der Toxizität von DDT für Insekten wirkt es auch als Repellent, hält also die Mücken von den Wohngebieten fern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestattet daher weiterhin unter Auflagen, DDT in der hier beschriebenen Weise zu nutzen. Umweltorganisationen wie der World Wildlife Fund (WWF) fordern aber nach wie vor ein weltweites Verbot von DDT. Es bleibt zu hoffen, dass dies ohne überzeugende Alternativen auch in Zukunft nicht ausgesprochen wird: Noch heute sterben mehr als zwei Millionen Menschen jährlich an Malaria. Ein kompromisloses Verbot von DDT könnte vielen weiteren Menschen das Leben kosten.

Bildnachweis:
Anopheles Mücke: Jim Gathany (PHIL; Public Domain)
DDT-Flug, DDT-Spray (PHIL; Public Domain)

Links zum Thema:
Wikipedia: DDT

Artikel zum Thema:
FCKWs und das Ozonloch | Der Treibhauseffekt aus chemischer Sicht