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Oliver Reiser

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Zitronen für Dr. Guido Westerwelle

Oliver Reiser

Wie ist das Bekenntnis zu umfassender Bildung der FDP mit den von Herrn Dr. Westerwelle gemachten Äußerungen im ARD Morgenmagazin in Einklang zu bringen? © Chemie-im-Alltag 2002.


Die PISA-Studie hat Politiker aller Parteien aufgeschreckt. Der Ruf nach mehr und besserer Bildung hallt kurz vor der Bundestagswahl in großer Lautstärke durch unser Land. Besonders die FDP weiß besser als jede andere Partei über Pisa Bescheid, wenn man dem Werbespot Spanien im Radio glauben soll. Um so unverständlicher, dass ein Politiker wie Herr Dr. Westerwelle mit dem erklärten Anspruch, unser Land zu führen, ganz offensichtlich eine stark eingeschränkte Vorstellung von Bildung hat.

Das Sinnloseste, was ich je gelernt habe, war der Zitronensäurezyklus. Ich weiß nicht, was das ist!

Dr. Guido Westerwelle im ARD Morgenmagazin am 4. Juli 2002.

Kokettieren mit der Unkenntnis der Naturwissenschaften

Wieder einmal wird mit der Unkenntnis von naturwissenschaftlichen Sachverhalten kokettiert, in diesem Fall wohl vor allem mit dem Ziel, auf Stimmenfang bei den Erstwählern zu gehen. Die Äußerungen von Herrn Dr. Westerwelle fordern in zweifacher Hinsicht Kritik heraus.

Grundlegende naturwissenschaftliche Sachverhalte sind als Bildungsgut genauso hoch einzuschätzen wie die Kenntnis von Deutsch, Mathematik oder einer Fremdsprache. Drei der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit sind die Bekämpfung von Krankheiten, der Sicherstellung der Energieversorgung und der Erhalt der Umwelt. Von der Chemie, Physik, Biologie und Medizin wird man auf diese Fragen Antworten erwarten.

Noch schlimmer an der Äußerung von Herrn Dr. Westerwelle ist jedoch, dass er ja gar nicht weiß, was der Zitronensäurezyklus ist. Wie kann er aber dann beurteilen, dass dies das Sinnloseste war, das er je lernen sollte?

Dieses Urteil wiegt um so abwertender von jemandem, der Zeit für einen Besuch im Big Brother-Container oder bei TV-Total mit Stefan Raab hat. Aber bei letzteren zwei Betätigungen kann man ja auf Stimmenfang bei der Spaßgesellschaft gehen, und als erklärter Spaßkanzlerkandidat ist das dann auch die richtige Zielgruppe.

Endlich wird mir auch die "18" auf den Wahlplakaten klar: Man will erwachsen werden. Bei Aussagen wie der obigen ist es vielleicht ja schon in Jahre 2012 soweit.

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